Nachbericht des Regionalmeeting West

Robotik im Trockenbau: Potenziale, Grenzen und der Weg zur Praxis


Im Rahmen des VÖTB-Regionalmeetings West in Innsbruck fand ein spannender Vortrag zum Thema Robotik im Trockenbau statt. Referent war Gerald Steinbauer-Wagner von der TU Graz, der seit 30 Jahren im Bereich Robotik forscht und entwickelt.
Zu Beginn stellte er das grundlegende Ziel der Robotik in den Vordergrund: Roboter sollen Menschen bei unangenehmen, belastenden oder gefährlichen Tätigkeiten unterstützen. Beispiele dafür reichen von Einsätzen bei Feuerwehren über Verteidigungsanwendungen bis hin zur Übernahme körperlich anspruchsvoller Arbeiten auf Baustellen.
Ein Schwerpunkt des Vortrags lag auf der sogenannten kognitiven Robotik. Moderne Roboter nehmen ihre Umgebung über Sensoren wahr, verarbeiten die gewonnenen Informationen und leiten daraus Aktionen ab. Die dafür benötigten Fähigkeiten werden durch Programmierung, maschinelles Lernen sowie Verfahren wie Reinforcement Learning entwickelt, bei denen Roboter bestimmte Aufgaben millionenfach in Simulationen trainieren können.
Besonders interessant war der Blick auf den Einsatz von Robotern im Bauwesen. Während Roboter in Fabriken von einer strukturierten und vorhersehbaren Umgebung profitieren, stellen Baustellen deutlich höhere Anforderungen. Unterschiedliche Untergründe, wechselnde Arbeitsbedingungen sowie ständig veränderte Gegebenheiten erschweren eine vollständige Automatisierung. Deshalb sind autonome Systeme im Trockenbau zwar grundsätzlich sinnvoll, jedoch aktuell meist nur für klar definierte Teilaufgaben geeignet.
Bereits heute gibt es erfolgreiche Anwendungen im Bereich der teilautonomen Systeme. Als Beispiele wurden automatisierte Deckenbohrungen sowie Roboter für Spachtel- und Schleifarbeiten genannt. Vollständig autonome Baustellenroboter gelten hingegen noch als Zukunftsvision, da die notwendige Robustheit und Flexibilität in komplexen Baustellenumgebungen noch nicht ausreichend gegeben ist.
Für Unternehmen, die den Robotereinsatz prüfen möchten, empfahl der Referent einen schrittweisen Einstieg. Zunächst sollten einfache und klar definierte Anwendungsfälle identifiziert werden. Anschließend gilt es, konkrete Ziele und Erfolgskriterien festzulegen, Prototypen zu testen und die Autonomie der Systeme schrittweise zu erhöhen. Entscheidend dabei: Die Mitarbeitenden müssen von Beginn an eingebunden werden, denn Roboter sind letztlich Werkzeuge zur Unterstützung von Fachkräften und kein Ersatz für deren Erfahrung und Know-how.
Der Vortrag machte deutlich, dass Robotik und Künstliche Intelligenz das Potenzial haben, den Trockenbau nachhaltig zu verändern. Der Weg zur vollständig autonomen Baustelle ist zwar noch sehr sehr weit, doch erste praxistaugliche Lösungen sind bereits verfügbar und bieten interessante Perspektiven für die Zukunft der Branche.